Gelungenes zweites Solo von Nachwuchs-Kabarettist André Bautzmann

Wenn man aus dem bisherigen Verlauf der Krise etwas lernen konnte, dann ist es, dass sich jenes Kapital am besten verpulvert, das man nicht besitzt. Oder das es gar nicht gibt. Oder beides. Ein wenig seltsam findet das auch Kabarett-Youngster André Bautzmann, weshalb er dem lieben Geld sein zweites Soloprogramm widmet. Mit "Ich glaub', mein Schein pfeift" feierte er am Mittwoch im gut besuchten Central Kabarett Premiere.

Wieder einmal sind es juvenile Frische und die Bereitschaft zur Selbstironie, die den Abend des breit grinsenden 21-Jährigen auszeichnen. Zwischen seinen Nummern wird an Piano (Keti Warmuth) und Schlagzeug (Hannes Petri) munter gejazzt, die kurze Akrobatik-Einlage funktioniert beim zweiten Versuch auch wirklich, und Bautzmann lässt kaum einen Gag über die eigene Statur aus.

Daneben sorgen die einzelnen, oft sehr politischen Nummern, die vorwiegend aus der Feder von Conny Molle stammen, für Heiterkeit. Da denkt Bautzmann im Bademantel auf dem Örtchen sitzend darüber nach, ob Deutschland wirklich mehr Nachwuchs braucht oder sich manches Problem nicht auch mit vorhandenen Ressourcen lösen ließe. Oder er spürt in einem blendend pointierten Monolog den mentalen Unterschieden nach, die die Amerikaner Obama wählen ließen, einige von uns jedoch zur Wahl der Kanzlerin veranlassten.

Obwohl mancher Text zur Premiere noch etwas aufgesagt wirkt, zeigt sich Bautzmann im größten Teil seiner zwei Stunden sehr flexibel und beweist eine Wandlungsfähigkeit, deren Ausbau sich lohnen könnte: Als Jackett-Yuppie mit weltmännischen Gesten hält er ein Existenzgründer-Seminar darüber, dass Geld nicht in die Hände des Mobs gehört. Als tänzelnder 500-Euro-Schein ergötzt er sich an der eigenen Schönheit, und als langhaariger Hippie sieht er das Ende der Arbeit schon dämmern.

Unter der Regie von Hansa Molle spielt Bautzmann seine Rollen aus und nutzt die Gelegenheiten, die ihm die Bühne bietet. Er singt viel und sicher über die "grüne Epidemie" in Deutschland oder die Aktienindizes der Welt. Manchmal aber steht er einfach kurz da, grinst, tut eigentlich gar nichts, und trotzdem bahnt sich ein Kichern seinen Weg durch den Saal. Irgendwann scheint das Premierenpublikum ihm derart ergeben, dass man bei mancher Pointe fast um die Gesundheit der japsenden Dame vorn rechts fürchtet.

Deshalb gibt es am Ende Bravo-Rufe für den jungen Kabarettisten, dem man wünscht, sein Elan möge ihm lange erhalten bleiben. Falls jedenfalls mal wieder Geld verjubelt werden kann, investiere man es in André Bautzmann. Der ist keine schlechte Anlage. Theresa Wiedemann

Nächste Termine von "Ich glaub, mein Schein pfeift" am 8. und 21. November, 20 Uhr, im Central-Kabarett; Kartentelefon 0341 52903052.

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